
Vintage B3 bietet mehrere Parameter, die dessen Intonationsverhalten ändern. Dadurch entwickelt das Software-Instrument eine Flexibilität, die das Original nicht aufweist.
Vintage B3 ist wohltemperiert gestimmt (gleichschwebende Stimmung). Abweichend von dieser Stimmung kannst du die Stimmung im Bass und Diskant spreizen, wie bei Klavieren üblich. Der Klang von Spinett, Cembalo und Klavier ist in seiner Obertonstruktur leicht „unharmonisch“. Die Frequenzen der Obertöne sind nicht genau ganzzahlige Vielfache des Grundtons. Das heißt, die Obertöne der tiefen Noten sind genauer mit den Grundtönen der höher liegenden Noten im Einklang. Für die solo gespielte Zugriegelorgel ist die gespreizte Stimmung grundsätzlich nicht erforderlich. Die Stretch-Parameter erlauben jedoch die Angleichung an gespreizt gestimmte Pianofortes, wenn diese gemeinsam mit Vintage B3 im Arrangement erklingen.
Du kannst mit dem Warmth-Parameter auch eine zufällige Verstimmung jeder Note erzielen und sogar der „Orgel-widrige“ Einsatz des Pitch Benders ist möglich. Das geht beim Original nicht, ist jedoch eine interessante Kreativ-Option.
Schieberegler „Upper Stretch“: Bestimme die Abweichung von der gleichschwebenden Stimmung im Diskant. Je höher der Wert, desto höher werden die hohen Noten intoniert. Bei „0“ ist Vintage B3 gleichschwebend gestimmt, sodass jede Oktave aufwärts einer Verdopplung der Frequenz entspricht.
Schieberegler „Lower Stretch“: Bestimme die Abweichung von der gleichschwebenden Stimmung im Bassbereich. Je höher der Wert gewählt wird, desto tiefer werden die tiefen Noten intoniert. Bei „0“ ist Vintage B3 gleichschwebend gestimmt, sodass jede Oktave abwärts einer Halbierung der Frequenz entspricht.
Schieberegler „Warmth“: Steuere die Intensität einer zufälligen Verstimmung aller Tonradgeneratoren.
Hinweis: Bei der Verwendung von sowohl „Warmth“ als auch „Stretch“ kann ein ausgeprägter Chorus-Effekt den Ton verstimmen. Setze „Warmth“ auf 0, wenn du einen weniger verstimmten Ton wünschst.
Schieberegler „Pitchbend Up“ und „Pitchbend Down“: Stelle die Empfindlichkeit des Pitch Benders speziell bei Aufwärts-/Abwärtsbewegungen in Halbtonschritten ein. Die maximale Empfindlichkeit erlaubt Bendings bis zu einer Oktave. Die Hammond B3 hat keine Pitch-Bend-Funktionen. Deshalb führt der Einsatz eines Pitch Benders zu keinen realistischen Ergebnissen. Dennoch gibt es naturgemäß eine Reihe kreativer Anwendungsmöglichkeiten.
Hinweis: Wenn du den Schieberegler „Pitchbend Down“ ganz nach rechts bewegst, werden die Tonradgeneratoren immer langsamer und laufen schließlich ganz aus. Dafür muss sich der Pitch Bender in der untersten Position befinden. In dieser Einstellung kannst du einen Effekt in Echtzeit erzeugen, wie er bei Emerson, Lake und Palmer am Ende des Songs „Knife Edge“ zu hören ist. Die Hammond-Orgel wurde mit einem Tonbandgerät aufgezeichnet, das bis zum absoluten Stillstand abgebremst wurde.